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Schocktherapie - Spanien will Bauwut stoppen.
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Author:  spanieninfo
Datum:  2007-11-06 06:42:32


 

El Pais – spanische Tageszeitung  29.10.07 – „Bauwut in Spanien soll gbremst werden“

 

In den letzten Tagen ist bekannt geworden, dass die spanische Regierung gegen den „wilden Städtebau“ an den Küstenlinien Spaniens vorzugehen plant.

Der Regierungsplan sieht anscheinend vor, 776 km der bebauten Küstenlinie zurückgewinnen.

Seit dem Jahr 1988 besteht in Spanien das „ley de costas“, das Küstengesetz, das aussagt, dass jeder Strand öffentlich ist und das eine unbebaute Zone von mindestens 106 m bestehen muss, so dass jeder den Strand erreichen kann. Innerhalb dieser Zone dürfen nur Sportplätze und Ackerland installiert werden. Für einige spezielle Häuser, die schon vor 1988 errichtet wurden, die vom Gesetzgeber eine Konzession bis zum Jahr 2018 bekommen haben, gilt momentan noch eine Ausnahme.

In dieser Schutzzone werden aber trotz des Küstengesetzes beinah seit dem 20 jährigen Bestehen des Gesetzes, durchgehend neue Hotelkomplexe und Ähnliches konstruiert.

 Dies will sich das spanische Umweltamt nicht mehr weiter bieten lassen und will nun endlich etwas unternehmen.

Am nächsten Mittwoch wird die Regierung den autonomen Gemeinschaften Spaniens einen Pakt (Estrategias para la sostenibilidad de la costa) vorschlagen, der nicht nur etwas gegen den wilden Städtebau unternehmen soll, sondern auch zum Abbruch der Hotels, Häuser, ect. führen soll, um so die angeschlagene Küste wieder regenerieren zu können.

Die Regierung ist davon überzeugt, dass dieser Plan, auch wenn sicherlich einige Spanier sehr verärgert darüber sein werden, doch zum Allgemeinwohl beitragen wird.

Der Pakt der Regierung betrifft momentan nur das Mittelmeer, die Balearen, die Kanaren, Cadiz und Huelga. Kantabrien wird noch nicht berücksichtigt, da dieser Landstrich noch nicht so sehr urbanisiert ist.

Für die nächsten Jahre ist nun geplant, auf einer Strecke von 776.972km mediterraner und kanarischer Küste, Konzessionen loszukaufen, dass heißt den Eigentümern, der vor 1988 erbauten Gebäude, ihre noch bis 2018 geltenden „Wohnerlaubnisse“ abzukaufen und die Gebäude abreißen zu können.

Wichtig, um den erfolgreichen Ausgang des Regierungsplanes versichern zu können, ist die Zusammenarbeit zwischen den Stadträten (ayuntamientos) und den Gemeinschaften (comunidades), denn das Ministerium besitzt nur über die ersten Meter der Küste Entscheidungsbefugnis. Das Ministerium beabsichtigt somit, dass die Stadträte sich um die Eigentümer kümmern, die ihre Grundstücke etwas weiter entfernt von der Küste besitzen.

Den Plan umzusetzen wird an die fünf Milliarden Euro kosten.

 

Die Betongrenze im Mittelmeerraum ist inzwischen schon soweit fortgeschritten, dass 36% städtischer/bebauter Boden (suelo urbano) sind und weitere 11% sind erschließbar.

Das will soviel heißen, das etwa 1000km der vordersten Strandreihe im mediterranen und kanarischen Raum schon bebaut sind oder auf dem besten Wege dorthin sind.

Andererseits muss man auch die 32% unter Schutz stehender ersten Küstenlinie nennen, was aber wiederum nicht heißen soll, dass 100m Meter weiter dahinter nicht gebaut werden darf und wird; um die 23% der ersten Küstenlinie sind unbebaubar.

 

Das Umweltamt plant nun einen 782km langen naturellen Weg entlang der Küste zu erschaffen, so dass man die Küste zu Fuß oder mit dem Fahrrad abfahren kann.

Ein weiterer Punkt, den der Plan im Auge behält, ist die Anhebung des Meeresspiegels, auf Grund der Erderwärmung. So heißt es, dass bis 2050, die Strände um gemittelte 15m zurückweichen werden. Deswegen ist es wichtig, sich jetzt schon Gedanken zu diesem Thema zu machen. Der Regenerierungsplan sieht also nun also vor, Spaniens Dünen wieder zu regenerieren und Bauprojekte, die diesem im Weg stehen, zu entfernen.

An der Küste Teneriffas wurden bereits im Oktober vergangenen Jahres 418 Häuser schlechter Qualität abgerissen, die 2191m der Küste in Anspruch nahmen. Auch wenn dies eigentlich im Einverständnis der Eigentümer geschah, so demonstrierten diese doch und die Abrissarbeiten mussten von der Polizei überwacht werden.

Seit dem Jahr 2004 hat das Umweltministerium weitere 337 Gebäude abreißen lassen, dabei handelte es sich meistens um kleine Fisherhäuser oder ähnliches, nur in Ausnahmefällen waren bis jetzt große Gebäude davon betroffen.

Auch die Küstengebiete Mallorcas sollen zukünftig regeneriert werden, es handelt dabei sich speziell um einen Küstenabschnitt von 3km Länge, der von einer Gruppe Millionäre „privatisiert“ wurde.

Weiterhin sieht das Ministerium die 100%ige Abgrenzungen zwischen öffentlichen und privaten Küstenabschnitten vor. Diese „Formalität“ ist in der Theorie zwar einfach zu regeln, kann aber in der Praxis einige Jahre in Anspruch nehmen.

Eigentlich sollten schon 1993 alle Abgrenzungen abgeschlossen sein, aber bis zum heutigen Tage müssen noch 20%, rund 2000km der Küste diesen Instanzenweg gehen, das Ministerium geht davon aus, das die Abgrenzungen 2008 abgeschlossen werden sein.

Das dritte Standbein der Küstenpolitik ist der Ankauf von Grundstücken, die Regierung hat 32 Finka`s auf 105.854.789€ geschätzt, falls sie es nun auch noch schaffen sollten, all diese Häuser zu kaufen, wäre das ein regelrechtes Schnäppchen.

Vergangene Woche gab die Regierung bereits den Kauf der Insel Salvora und der kleineren Inseln Noro und Vionta bekannt, die nun der Allgemeinheit zugänglich sind. Die Investitionen betrugen hierbei 8,5 Millionen €.

 

 

 

 

 


   

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